BUND sieht Existenz der Rheinfähren in Gefahr

Der BUND Rheinland-Pfalz erneuert seine ablehnende Haltung gegen die geplante Rheinbrücke im Mittelrheintal. Anlässlich der bevorstehenden 34. Tagung des Welterbekomitees der UNESCO vom 25. Juli bis 3. August 2010 in Brasilia, Brasilien, warnt der BUND nochmals vor gravierenden Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes, der Erhöhung des Verkehrsaufkommens durch verlängerte Verkehrswege und Schädigung wertvoller Biotope und bekräftigt seine entschiedene Ablehnung der geplanten neuen Rheinbrücke im „Welterbe Oberes Mittelrheintal“. Nach Ansicht des BUND sind die Fähren ein wichtiger Bestandteil des Welterbes und werden durch den Bau einer Brücke in ihrer Existenz gefährdet.

Dr. Erwin Manz (BUND-Landesgeschäftsführer): „Man soll den Rhein an vielen Stellen schnell, gut und kostengünstig, wenn möglich sogar kostenlos und jederzeit queren können. Dies soll sowohl zu Fuß, mit dem Fahrrad als auch mit dem Kraftfahrzeug möglich sein. Besonders für Pendler, Zulieferer, Touristen und alle Einwohner im Rheintal ist dies wichtig.“ Die Fähren sind ein wichtiger Bestandteil des Welterbes Oberes Mittelrheintal, eine touristische Attraktion und als solche zu erhalten. Er ergänzt: „Das Land Rheinland-Pfalz hat in seinem Managementplan zugesagt, den Betrieb der Fähren zu fördern. Dies ist jedoch bis heute nicht geschehen. Durch die Planung der Brücke wird konträr zur Zielsetzung gehandelt. Wir fordern die konsequente Umsetzung des Mangementplans ein.“

Der BUND kritisiert, dass bislang die Naturschutzverbände die neuen Gutachten der Landesregierung nicht einsehen konnten und daher keine Möglichkeit hatten sich dazu zu äußern. Der BUND geht davon aus, dass sich die Landesregierung in seinen Gutachten weder ernsthaft mit einem Alternativszenario der Regionalentwicklung ohne Brückenbau noch mit der Planungsvariante 24-Stunden-Fährbetrieb auseinandergesetzt hat. Für den Verband ist vollkommen unverständlich, wie Gutachter zum Schluss kommen können, dass dieses Bauwerk die Rheintalkulisse aus allen Betrachtungsperspektiven (sowohl von der Höhe, als auch vom Flussufer oder gar vom Schiff) unproblematisch sein soll.

Der BUND, nach Denkmalschutzgesetz anerkannte Denkmalpflegeorganisation, kritisiert die massive Veränderung des historisch gewachsenen Landschaftsbildes durch den geplanten Brückenbau. Zwischen Bingen und Koblenz gab es nie eine Brücke. Die Fähren sind als Kulturgut ein wichtiger Bestandteil des Weltkulturerbes Mittelrhein und eine touristische Attraktion in Europa. Zusätzlicher Auto- und LKW-Verkehr wird ausgelöst, weitere Fahrstrecken, höherer Treibstoffverbrauch und mehr Lärm sind unweigerlich die Folge. Diese negativen Auswirkungen beschränken sich nicht nur auf das Rheintal selbst, sondern betreffen auch die Auf- und Abstiege beiderseits des Rheins. Die Brücke wird an die Höhenlagen angebunden werden müssen. Dies ist aufgrund der Topografie äußerst problematisch. In die engen Kerbtälern können nur mit extremen Eingriffen in Landschaft und Natur für LKW geeignete Straßen gebaut werden. Da rund um den geplanten Brückenstandort sehr sensible Biotope vorkommen, ist in der Folge des Bauprojektes auch mit erheblichen Naturschutzproblemen zu rechnen.

Der BUND fordert, die Fähren im Bereich des Welterbes Oberes Mittelrheintal zum Bestandteil der öffentlichen Verkehrsinfrastruktur zu machen. Das Mittelrheintal brauche dringend sofort wirkende Maßnahmen. Durch die Planung des Brückenbaus werden leider Finanzmittel blockiert. Folglich bewege sich im Tal derzeit gar nichts mehr. Eine gezielte Förderung der Fährtickets von Bewohnern der Verbandsgemeinden, die Anlieger der Fähren sind, würde sofort wirken. Es handelt sich dabei um überschaubare Investitionen, die dem Bedarf individuell angepasst werden können.

Der BUND unterbreitet folgenden Vorschlag zur direkten Umsetzung eines nachhaltigen Verkehrskonzeptes:

  • Innerhalb des Welterbe-Gebietes soll die Fährnutzung für die Bewohner kostenlos möglich sein. Die nachfragenden Nutzer sollten über die Verbandsgemeindeverwaltung eine entsprechende Jahreskarte erhalten.
  • Touristen, die eine Mindestzeit im Mittelrheintal verweilen, sollten über eine Bonuskarte (z.B. Rheintaler oder Mittelrheincard) eine vergünstigte oder kostenfreie Nutzung der Fähren erhalten.
  • Der Fährbetrieb soll sich einer ändernden Nachfrage anpassen.

Sollte sich nach mehrjährigem Betrieb herausstellen, dass der Fährbetrieb an seine Grenzen stößt, kann dann immer noch über eine Erweiterung des Fährangebotes nachgedacht werden.

Die Vorteile dieses Konzeptes sind:

  • Eine sofortige Umsetzung ist möglich. Die Bürger haben den unmittelbaren Nutzen.
  • Die Kapitalbindung ist gering. Man kann die Angebote kurzfristig dem Bedarf anpassen.

Eine Gefährdung des Status Weltkulturerbe ist nicht zu befürchten.

Eine Stärkung der Rheinpassagen durch den Ausbau der Fährverbindungen bedeutet für Menschen und Natur:

  • keine Zunahme von Straßenlärm und Abgasen im Tal
  • die Erhaltung des historisch gewachsenen Landschaftsbildes
  • die Erhaltung des Kulturgutes „Fährbetrieb“
  • bessere und dezentrale Überquerungsmöglichkeiten für Fußgänger und Radfahrer

Für Rückfragen:
Matthias Boller, 02621 61160 bzw. 0170 8005266
Dr. E. Manz 06131 62706-0 bzw. 0151 12273866

Innerhalb des Welterbe-Gebietes soll die Fährnutzung für die Bewohner kostenlos möglich sein. Die nachfragenden Nutzer sollten über die Verbandsgemeindeverwaltung eine entsprechende Jahreskarte erhalten.

Quelle: www.bund-rlp.de

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